Mein Name ist Paul Mankow, ich bin 27 Jahre alt und leide an Lymphknotenkrebs.

 

Es war der 18. Mai 2018 als ich zum ersten Mal eine Schwellung am Hals bemerkte. 

„Wird schon nichts schlimmes sein.“ Dachte ich zumindest.

Ich ignorierte diesen Knoten fast einen Monat, bis meine Partnerin mir riet doch mal zum Arzt zu gehen. Da ich eigentlich jemand bin, der nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Doktor rennt, habe ich mich erst geweigert, gab jedoch schlussendlich nach. Zum Glück.

 „Herr Mankow ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Sie ein Lymphom haben.“

Ein was? Ich wusste nicht wirklich etwas damit anzufangen. Woher auch. Bis dahin habe ich mich mit Thema Krebs nicht beschäftigt und kannte solche Fälle nur aus Film und Fernsehen. 

Nun lag ich auf der Liege bei meinem Hals-Nasen-Ohren Arzt und wusste absolut nicht, was er meinte. Ich konnte nur seinem Blick erkennen, dass hier irgendwas gewaltig schiefläuft. 

Ich fragte ihn was das bedeutet, woraufhin er tief einatmete und seine Kollegin mit ins Gespräch holte.

„Herr Mankow es tut mir leid, aber ich vermute, dass Sie an Lyphknotenkrebs erkrankt sind.“

Ich bin was? Das muss ein Fehler sein. Ich wusste nicht was ich denken sollte. Ich? Krebs? Niemals. Seitdem ich Laufen kann, bin ich sportlich aktiv, spiele Fußball, mache Fitness, also wie kann das sein. Und unweigerlich war der erste Gedanke: Muss ich jetzt sterben?

Man muss sich an dieser Stelle vor Augen halten, dass ich jung und bis dahin gesund war. Ich hatte nie Kontakt zu diesem Thema und habe mich damit auch nicht auseinandergesetzt. Also was nun?

 Ich wurde sofort in eine angrenzende Klinik überwiesen und musste mich etlichen Untersuchungen unterziehen. 

„Herr Mankow, so wie es aussieht, hat der Krebs bereits gestreut. Auch Ihr Brustkorb und die Milz sind bereits betroffen.“ Ich war wie gelähmt. 

Die Hoffnung, es könnte sich um eine Ablagerung handeln, war wie weggeblasen.

Meine Partnerin war zu diesem Zeitpunkt auf einer Weiterbildung und ich wusste nicht, wie ich ihr das erklären soll. Das würde sie nicht verkraften. 

 2 Wochen später, nachdem ich die endgültige Diagnose hatte, welchen den Verdacht bestätigte, fand ich mich zum ersten Mal in der Chemotherapie wieder. Mein Studium und meine begonnene Bachelor-Arbeit hatte ich auf Eis gelegt und mich beurlauben lassen.

 Zwischen älteren Menschen, als junger Mann, nicht wissend wie es weitergeht, keine besonders glückliche Situation.

Fallen mir jetzt die Haare aus? Schaffe ich das überhaupt? Und wieder unweigerlich die Frage: Muss ich sterben?

 Für Außenstehende ist es nicht nachvollziehbar. Jeder meiner Freunde versuchte mir Mut zuzusprechen. Was bisweilen auch gut funktioniert hat, nur ist das Problem mit dem Krebs, dass man am Ende des Tages, alles alleine schaffen muss. Den Krebs als solchen bemerkt man nicht. Was man bemerkt ist die Chemotherapie und die damit verbundenen Nebenwirkungen. 5 Stunden an einem Tropf zu hängen und mit Medikamenten vollgepumpt zu werden, hinterlässt Spuren. Die erste Woche war in Ordnung, ich weiß noch wie ich dachte: „Guck, du verträgst es doch ganz gut.“ Wie naiv. 

 Ab Woche 2 ging es los, Übelkeit, Schwindel, Schweißausbrüche. Absolute Unfähigkeit, sich körperlich zu betätigen. 

Es ist schwierig zu erklären und es können wohl nur Betroffene nachvollziehen, aber man fühlt sich wie ein körperliches Wrack und an machen Tagen, als würde man sterben. 

5 Stunden Chemo, 4-mal die Woche. Ich war am Ende. Ich wollte kein Beileid und kein Mitgefühl. Ich wollte einfach meine Ruhe. Immer wenn mein Körper sich gerade halbwegs erholt hat, stand die nächste Chemo an. Ich wollte einfach, dass es aufhört.

 Meiner Partnerin hat unter dieser Zeit noch mehr gelitten als ich. Es ist auch psychologisch erwiesen, dass es für die Angehörigen noch schlimmer ist. Sie können es nämlich nicht ändern. Meine Freundin wollte mir im Prinzip alles abnehmen, aber was konnte sich daran ändern? Nichts. Also gab sie ihr bestes und wechselte täglich die durchgeschwitzten und teilweise mit Erbrochenem besudelten Bettlaken, machte mir Essen, wenn ich denn Hunger hatte. Sie war da, als ich beim spazieren gehen ohnmächtig wurde und Sie war da, wenn ich weinte und einfach wollte, dass es aufhört und schon davor war, die Chemo abzubrechen. 

 

Was jedem klar sein muss, der nicht gerade in Reichtum schwimmt: Niemals ernsthaft krank werden! Finanziell gingen wir nach 2 Monaten ab Stock, die Ersparnisse waren für die Miete drauf gegangen, denn meine Anträge um Unterstützung waren seit 2 Monaten in Bearbeitung. Warum auch die Eile, ist ja nicht wichtig. 

Und dann, als endlich der Brief kam, welcher unsere finanzielle Situation vereinfachen sollte: Ernüchterung. Wir bilden eine Bedarfsgemeinschaft, wodurch wir vor dem Gesetz ein eheliches Verhältnis haben. Was das bedeutet? Das Einkommen meiner Freundin wird auf meinen Anspruch angerechnet, wodurch ich 300 Euro zum Leben bekommen würde.

 Das wars. Ich hatte keine Kraft mehr. Wie sollten wir das alles schaffen? Meine Freundin befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Ausbildung. Also wovon sollten wir leben? Nicht nur, dass wir ewig gewartet haben, nein jetzt stehen wir auch noch mit fast nichts da. 

 Somit viel die Entscheidung schnell: Ich muss wieder arbeiten. 

Meine Partnerin ist förmlich ausgerastet als ich ihr meine Idee offenbarte. Mein Arzt hat mir mehr als deutlich widersprochen. Nur die Menschen, welche ich während der Chemo kennen gelernt habe, konnten mich verstehen. Denn vielen von ihnen ging es ähnlich.

Also schrieb ich Bewerbungen. Nur wer nimmt einen Krebspatienten? Es lag nicht an meinen Qualifikationen, absolut nicht. Mir wurde gesagt, als gesunder Mensch könne ich sofort im Unternehmen anfangen, nur leider war ich nicht gesund. Dutzende Bewerbungsgespräche und am Ende immer dieselbe Aussage: „Es tut uns leid, aber mit Ihrem Krankheitsbild können wir Sie leider nicht einstellen, Herr Mankow.“ Also was nun? Die Zeit rennt und die Rechnungen wollen auch gezahlt werden. Mittlerweile haben wir am Ende des Monats überlegt, ob wir nun Wasser kaufen, oder lieber Toastbrot. Nudeln mit Ketchup, oder Ketchup mit Nudeln. Dass ich mal in eine solche Situation gerate, hat mich sauer gemacht. Sauer auf das Leben, aber vor allem sauer auf das System. 

 Dann fand ich im Internet eine Anzeige der KBS Group. Es wurde ein Servicefahrer gesucht. 30 Stunden wöchentlich.

Ich dachte mir, das würde wirklich gut passen. Körperlich werde ich nicht zu sehr beansprucht und das Geld stimmt auch. Also bewarb ich mich. 

 Jetzt, 9 Monate nach der Diagnose und nach überstandener Chemotherapie und Bestrahlung, sitze ich hier im Büro der KBS Group. Ich bin kein Servicefahrer. Mir wurde die Möglichkeit eröffnet, als Recruiter zu arbeiten. Mittlerweile bin ich zum Vertriebsdisponenten befördert worden und kann mir sehr gut vorstellen, dauerhaft im Unternehmen zu bleiben und mein Studium nicht mehr fortzusetzen. 

Die KBS war der einzige Arbeitgeber, der mir eine Chance gab. Eine Chance und eine Perspektive, in einer Zeit, in der ich selbst nicht mehr daran geglaubt habe. In einer Zeit in der ich mehr durchmachen musste, als die meisten jemals durchmachen werden müssen.

 Es geht nicht mehr nur um das finanzielle. Es geht darum, dass ich akzeptiert wurde und als vollwertiges Teammitglied gesehen werde. Trotz meiner Krankheit, welche mich oft dazu gezwungen hat, mich krank zu melden. Es wurde nicht geschimpft, ich bekam nie Ärger. Im Gegenteil, die Anteilnahme und das Interesse an meinem gesundheitlichen Zustand war größer, als ich es hätte ahnen können. Mir wurde die Chance gegeben, mich finanziell zu erholen und wieder Leben zu können. Mir wurde die Chance gegeben, mich „gebraucht“ zu fühlen. Und nicht wie ein Krebspatient. 

Ich wurde nicht bemitleidet und nicht bemuttert. Ich wurde als Mensch wahrgenommen.

 

Schlussendlich kann man sagen, dass diese Diagnose, mit all den negativen Aspekten und Erfahrungen, doch etwas Positives gebracht hat. Diese Anstellung. 

Ich arbeite sehr gerne hier, mache Pläne für die Zukunft und bin dankbar. 

Denn man darf eines nie vergessen: Es ist nicht selbstverständlich jemanden mit einer solchen Krankheit zu beschäftigen. Das hat nichts mit Unmenschlichkeit zu tun, sondern mit der Tatsache, dass bei einer solchen Beschäftigung nicht alles glatt läuft. Ich bin oft ausgefallen, musste oft früher gehen und dennoch wurde ich nicht kritisch betrachtet. Und dafür bin ich dankbar. 

 

Deshalb kann ich nur jedem Arbeitgeber empfehlen: Nicht jeder potentielle Kandidat mit einem gesundheitlichen Defizit, stellt ein Risiko dar. Sie geben diesen Menschen mehr als nur einen Arbeitsplatz, sie geben ihnen das Gefühl von Sicherheit und Erleichterung. Sie fühlen sich gebraucht.

Paul Mankow, KBS Group GmbH